Krippen in Niederviehbach
(zusammengestellt von Johann Girnghuber, 12/2019)
Die Advents- und Weihnachtszeit wird mittels neueren Brauchtums „dem Frauentragen“ angezeigt. Unter Pfarrer Adolf Schöls wurde im Jahre 2000 eine schwangere geschnitzte Muttergottesstatue von der Pfarrgemeinde gekauft bzw. gespendet und in einen tragbaren Schein aufbewahrt. Während der Adventszeit können sich Familien in einer Liste eintragen, sodass diese Statue in der Vorweihnachtszeit täglich von Familie zu Familie zur Verehrung weitergereicht wird.
(Holzschrein mit der Muttergottes)
Vor diesem neuen Brauch finden wir hier in Niederviehbach die „Herbergssuche“, die später in das „Frauentragen“ umgewandelt wurde. Die Herbergssuche besteht aus einem einfachen Holzschrein mit Glasabdeckung. Hierin befinden sich Maria und Josef auf der Suche nach einem Ort für die Niederkunft ihres Kindes. Die Rückseite ist mit Häusern einer Stadt bemalt. Auch dieser Schrein wanderte in der Adventszeit von Haus zu Haus und wurde dort verehrt. Bei den Figuren handelt es sich um Gliederpuppen mit Wachsköpfen, die älteren Datums sind. Der Schrein dürfte um 1980 gefertigt worden sein.
(Maria und Josef auf der Herbergssuche)
Ursprünglich besaß die Pfarrkirche ein barockes sogenanntes „Fatschnkindlein“ in einem Glasschrein. Dieses stammt vermutlich aus dem ehemaligen Augustinerinnenkloster von Niederviehbach. In den 80-er Jahren wurde es vom damaligen Kreisheimatpfleger Fritz Markmiller als Leihgabe im Stadtmuseum Dingolfing – der Herzogsburg- ausgestellt. Aufgrund eines grundlegenden Umbaus des Museums wurde das Ausstellungsstück wieder zurückgeholt und im Pfarrhof aufgestellt. Laut Aussagen älterer Mitbewohner erhielt die Pfarrgemeinde nicht das ursprünglich ausgeliehene „Fatschnkindl“ zurück, sondern ein völlig anderes. Ob diese Behauptung korrekt ist, lässt sich zurzeit nicht feststellen.
Zur Weihnachtszeit schmückt dieser Glassturz die St. Anna Kapelle im Erdgeschoss des Pfarrhofes. Dieses wird nach Ablauf der Weihnachtszeit durch nachfolgend abgebildetes Jesuskindlein ersetzt.
(Fatschnkindl aus Wachs der Pfarrei Niederviehbach)
Vermutlich gehört zu dieser Figur eine weitere vorhandene, die ein älteres Jesuskind, ebenfalls aus Wachs modelliert dazu. Es ist auf einen geschnitzten Holzsockel befestigt und mit besticktem Kleid und Umhang gekleidet. Ein Weites befindet sich noch unrestauriert auf dem Pfarrhofspeicher.
(Jesuskind aus Wachs modelliert und mit bestickten Kleidern prunkvoll geschmückt)
Nach meinen Erinnerungen als Ministrant besaß die Pfarrkirche in den 50-er Jahren eine einfache ländliche Krippe, mehr dem alpenländischen Stil angepasst. Der Stall aus Holz gefertigt, die Figuren aus Pappmasche, die Schafe ebenfalls aus Pappe mit Holzfüßen und Pelze aus Schafwolle. Die Dekoration bestand aus Moos und kleinen Tuffsteinen von der Bischofsquelle am Isarhang. Als Standort wurde der nördliche Seitenaltar genutzt, da der südliche als „privilegierter Seitenaltar“ häufig für „Beimessen“ auch in der Weihnachtszeit genutzt wurde. Diese einfache Krippe ist nicht mehr vorhanden.
Aufgrund der starken Abnutzung und der hinzugekauften Ersatzfiguren aus Plastik, kaufte Pfarrer Thomys eine ca. 80 cm große Figurengruppe der hl. Familie, welche nun in der Weihnachtszeit vor dem Volksaltar aufgestellt wurde. Seit dieser Zeit schmücken Maria und Josef und eine Holzkrippe mit dem Jesuskind alljährlich die Vorderseite des Volksaltars.
(Hl. Familie vor dem Volksaltar der Pfarrkirche Niederviehbach)
Nach der Weihnachtszeit schmückt den Volksaltar in der Pfarrkirche ein barockes Jesuskind, welches zum Hochaltar gehört und früher über dem Tabernakel aufgestellt war.
An dieser neuen Stelle ist die Statue, vor allem für die Kinder greifbar und verdeutlicht so die weitere Folge des Kirchenjahres.
Um die 2. Jahrtausendwende kamen die orientalischen Krippen in Mode. Außerdem fanden sich in Oberviehbach mit Dürmer Georg und Striegl Fritz zwei begeisterte Krippenbauer, die für die eigenen Familien aus Yton-Bausteinen fantastische orientalische Krippen fertigten. Daraufhin gab Pfarrer Adolf Schöls diesen im Jahre 1998 den Auftrag, auch für Niederviehbach eine solche Krippe zu erbauen. Die Glieder-Figuren wurden angekauft und durch die damalige Pfarrhaushälterin Stefanie Bast mit Stoffkleidung versehen. Die Schafe wurden aus Spenden beim Schnitzer Biller aus Loiching angeschafft. Durch die Versetzung des Taufsteines an den nördlichen Seitenaltar, wurde ein neuer Standort auf dem südlichen Seitenaltar geschaffen, der von dieser Zeit an, als neuer Krippenplatz genutzt wird.
(Orientalische Krippe von Georg Dürmer und Fritz Striegl vormals auf dem südlichen Seitenaltar)
Da die bisherige orientalische Krippe durch den stetigen Auf- und Abbau stark abgenutzt war, fand sich im Jahre 2018 eine Spenderin, die der Pfarrkirche eine neue kunsthistorisch wertvolle Panorama-Krippe schenkte. Durch den beschränkten Platz am Seitenaltar wurde von der Schreinerei Paringer von Süßbach ein entsprechender Halbkasten erstellt, der die neue Krippe aufnahm. Nachträglich wird das Krippengehäuse noch mit einer halbhohen Verglasung ergänzt.
Die Schnitzarbeiten des Stalles und der Figuren, führte der 78-jährige Bildhauermeister Franz Diewald aus Nittenau aus. Farblich gefasst wurden die Figuren durch den Restorator und Kirchenmaler Martin Preisinger aus Roding-Mitterdorf, der auch als Hintergrundbild das Kloster aus Sicht der Isarauen schematisch malte.
(Bildhauermeister Franz Diewald aus Nittenau vor seinem Werk)
Das Aussehen der Krippe orientiert sich mehr der örtlichen Umgebung, als könnte sich die biblische Geschichte hier in Niederviehbach abgespielt haben. Zu den herkömmlichen Krippenfiguren mit Verkündigungsengel, Hirten, Ochs, Esel und die Hl. Familie mit dem Jesuskind in der Krippe, ergänzen ein Schäferhund eine Geiß und ein Ziegenbock das Ensemble. Mit den 3 Hl. Königen ist die Krippe vollständig. Durch eine entsprechende Beleuchtung konnte das Heilsgeschehen in den Mittelpunkt gerückt werden.
(Neu geschnitzte und gefasste Krippe auf dem südlichen Seitenaltar der Pfarrkirche)
(Hl. 3 Könige in Aufstellung vor der Krippe)
Um das Erscheinungsbild dieser Krippe zu optimieren wurden 2019 noch zwei Hirtenkinder geschnitzt und vom Kirchenmaler Martin Preisinger aus Roding gefasst. Diese Schnitzerei dürfte aus gesundheitlichen Gründen zu den letzten Arbeiten des Bildhauermeister Franz Diewald aus Nittenau zählen.
(Kinder dürfen in der neuen Krippe nicht fehlen)
Mit der Renovierung der Pfarrkirche, wurde auch der „Maria-Trost-Chor“ entrümpelt und einer neuen würdigen Nutzung zugeführt. Dieser bildet nun einen idealen Platz, um die vormalige orientalische Grippe publikumswirksam aufzustellen.
(Neu aufgestellte orientalische Krippe auf dem Maria Trost-Chor)
Auch das Kloster der Dominikanerinnen in Niederviehbach besitzt bzw. besaß eine wertvolle Barock-Krippe, die die Familie von Steber um 1900 dem Kloster geschenkt hatte. Diese Krippe, auch „Seebaldkrippe“ genannt, gelangte 1862 als Heiratsgut in die Familie von Streber in Niederviehbach. Die barocke Krippe bestand ursprünglich aus 135 Teilen, von denen derzeit nur noch Reste vorhanden sind. Sie stand ursprünglich bei der Familie Neumair, Seebaldbräu in Landshut. Die Tochter der Eheleute Josef und Anna Neumair geb. Amer, Maria Anna Agnes Neumair * 20.01.1843 in Landshut, verehelichte sich am 06.07.1862 mit Alois von Streber, Klosterguts-Besitzer von Niederviehbach und bekam diese Krippe von den Eltern übereignet. Kurz vor ihrem Tod stiftete Anna Maria Agnes v. Streber ihren Hochzeitsrosenkranz der Muttergottes von Niederviehbach und die barocke Krippe dem Kloster der Dominikanerinnen in Niederviehbach. Viele Jahrzehnte schmückte sie zu Weihnachten die alte und neue Klosterkirche, bis sie in den 1990-er Jahren durch eine Futter-Krippe mit dem Jesuskind ersetzt wurde. Vermutlich führte der sehr schlechte Zustand zum Abbruch dieser alten Tradition.
(Reste der ehemaligen Seebaldkrippe im Kloster der Dominikannerinnen)
Erst seit einigen Jahren wurde die Krippe mit Restfiguren wieder aufgefunden und in der Advents- und Weihnachtszeit in der Klosterkirche aufgestellt. Der noch vorhandene Stall wurde größtenteils mit billigem Holzmaterial erneuert. Einzelne Figuren aus anderen Krippen hinzugefügt. Jedoch sind noch verschiedene Wachsgesichter der ursprünglichen Krippe vorhanden. Ob die dazugehörigen Gliederpuppen und Gewänder Originale sind, lässt sich auf die Schnelle nicht genau feststellen. Alljährlich werden jedoch weitere Bestandteile dieser Krippe im Kloster aufgefunden und der Krippe zugestellt.
(Die Schönheit der barocken Köpfe)
Zu dieser Krippe hat das Kloster vor dem Volksaltar noch eine Krippe mit einem Wachs-Jesulein aufgestellt.
(Wachs-Jesulein vor dem Volksaltar der Klosterkirche)
Weitere Viehbachtaler Krippen finden wir noch im Kindergarten Niederviehbach mit einem einfachen neuartigen Bildstock mit der Krippendarstellung „Maria und Josef mit dem Jesukindlein in der Krippe.
Beim „Aufräumen“ auf dem Pfarrhofdachboden wurden noch weitere „Jesukindlein“ aus verschiedenen Epochen aufgefunden, wie nachfolgend zu sehen ist.
Gliederpuppe um 1800 Jesuskind aus Holz um 1880 Jesuskind um 1900 aus Gips
In der Pfarrkirche von Oberviehbach sehen wir eine irdene Krippe „Kröninger-Hafner-Art“ (Tonfiguren farbig glasiert, einfacher Machart).
(Oberviehbacher Krippe mit umfangreichen Tonfiguren farbig glasiert)
Des Weiteren finden wir in der Nachweihnachtszeit vor dem Volksaltar ein aus Gips gegossenes Jesukindlein um 1900.
Wie jede Pfarrei besitzt auch Oberviehbach ein “ Fatschnkindlein“, welches sich in einen Glassturz befindet und einer dringenden Restaurierung bedarf, um in der Weihnachtszeit Beachtung finden zu können.
(„Fatschnkindl“ der Pfarrei Oberviehbach)
Aus Erzählungen alter Oberviehbacher Leute, hatte die Pfarrei noch ein prunkvolleres barockes Exemplar, welches vermutlich bei der Auflösung und Verkauf des Oberviehbacher Pfarrhofes verloren gegangen ist. Andere Vermutungen weisen auf die Abgabe einiger sakraler Gegenständen der Pfarrei („Karfreitagsratsche“, Standkreuz etc.) als Leihgabe an das Dingolfinger Stadtmuseum unter Kreisheimatpfleger Hr. Markmiller hin. Eine spätere Anfrage verlief jedoch negativ.
Zusammenfassend besitzen die Pfarrgemeinde Nieder- und Oberviehbach und das Kloster eine anschauliche Krippensammlung, die in den nächsten Jahren als „Viehbachtaler Krippenweg“ gezeigt werden kann. Für eine mögliche erweiterte Krippenwanderung könnte auch noch die Hubertuskapelle im Wald beim Hattenhof mit eingebunden werden.